Wenn dein Alltag von der Kippe bestimmt wird, läuft etwas gehörig schief. Und so war es auch. Endlich fällt die Haustür hinter meiner Familie in die Angeln und ich kann auf die Terrasse und meine erste Kippe des Tages rauchen. So fängt es schon an…meine Familie soll sich beeilen, damit ich vor meinem Alltag noch die Möglichkeit habe eine durchzuziehen…ätzend. Ich weiß, man kann sich das nur schwer vorstellen, aber so verlief mein Alltag. Wann kann ich wo und wie viele Zigaretten rauchen?

Fahre ich mit dem Auto zur Kita, habe ich keine Möglichkeit eine zu rauchen, also laufe ich und ich gehe später alleine einkaufen. Ätzend. Aber im Urlaub ist mir die Situation eigentlich erst so richtig bewusst geworden, außerhalb meiner täglichen Routinen. Ich ziehe mich kurz zurück um nicht direkt vor den Kindern zu rauchen, plötzlich stehen 3 der 4 Kiddies vor mir und durchlöchern mich mit Fragen. Das hat mich richtig sauer gemacht, sauer, weil ich meine Zigarette nicht richtig tauchen konnte. Vor den Kindern war es mir einfach zu unangenehm und bei der Bitte, ob sie nicht gehen und wir das gleich klären wollten, erntete ich nur blöde Blicke…Mensch war ich sauer. Aber genau DA ist ja schon das Problem. Ich bin sauer auf (meine) Kinder nur weil sie neugierig sind, hinterfragen warum ich etwas Verbotenes und ungesundes tue, sie halten mir eigentlich nur den Spiegel ins Gesicht und doch platze ich innerlich vor Wut.

„Versprochen ist versprochen und wird (nicht) gebrochen“

„Ich möchte nicht, dass du nächstes Jahr stirbst“, sagte mein Sohn zu mir. „Sobald wir wieder in Deutschland sind, hörst du auf ok?“ Ich stimmte mit meinem kleinen Finger als Beweis zu und er schien zufrieden. In Deutschland angekommen, rauche ich die letzten beiden Zugaretten heimlich während er schlief in der Nacht unserer Ankunft. Ich warf die Packung weg und „hörte auf“. Gleich am Morgen fehlte mir was. Gleich nach dem Kaffee. Ich habe jede Minute des Tages damit verbracht mich müßig abzulenken. Es war ein mega großer Krampf. Nicht schön und völlig nervig für alle, die an dem Tag um mich herum sein mussten. Es bot sich zwei Tage später eine Rauch-Möglichkeit, denn die Kinder sind mit meinem Mann nochmal 4 Tage weggefahren. Ich konnte also ohne Rücksicht auf Verluste rauchen. Also tat ich das auch. Aber diese Heimlichtuerei, diese Lügen machten mich wahnsinnig. Mein Versprechen habe ich gebrochen. Er weiß es zwar nicht, aber ich weiß es und das macht es genauso schlimm.

Groupon-Deal meines Lebens

Mein Chef erzählte mir zu Beginn des Jahres etwas von einer Hypnose-Therapie, die angeblich gegen das Rauchen helfen soll. Bei ihm hat es glaube ich ganze 14 Tage gehalten, dann hat er allerdings zu liebe aller Personen in seiner Umgebung wieder angefangen, denn er war wohl launisch und irgendwie unerträglich. So vergingen die Monate, ich rauchte weiter, kam aus dem Urlaub und stöberte durch die Groupon-Angebote zur Inspiration. Ich schaute mir IPL Haarentfernungsangebote an und stieß bei der örtlichen Suche auf folgendes Angebot:

Hypnosecoaching

Neugierig was das Coaching beinhaltete, ließ ich mir die Beschreibung und anschließend die Kundenbewertungen durch. „Seit 8 Tagen nicht geraucht nach nur einer Sitzung“. Wirklich? Ich zweifelte erst, da die Erfahrung meines Chefs ähnlich war, er aber nach 14 Tagen wieder zur Krippe griff… aber dann dachte ich, stehen die 35€ im Verhältnis zu einem neuen Lebensgefühl? Wäre das nicht eine klitzekleine Investition in einen Versuch, den Versuch in ein rauchfreies Leben zu starten?! Joa! Also kaufte ich einen Gutschein, bei dem ich direkt einen Termin auswählen musste und mich somit zu einer Hypnosesession verpflichtete. Ich schrieb aber vorab noch keine Mail, weil ich die Themen so spannend fand und gerne wissen wollte, ob mein Rauchverhalten nicht ggf. auch andere Ursachen hatte. Denn die Liste der Themen war lang.

Themen zur Wahl:

  • Entspannt ins rauchfreie Leben
  • Wunschgewicht erreichen
  • Ängste verlieren und Blockaden lösen
  • Burn Out
  • Ruhiger Schlaf
  • Schüchternheit
  • Selbtsliebe
  • Eifersucht
  • Umgang mit Stress
  • Liebeskummer
  • Negative Kindheitserlebnisse
  • Entspannt fliegen
  • Negative Glaubenssätze verändern

Ich habe die Liste gesehen und musste grinsen. Ich habe so viele Themen, die ich gerne behandeln lassen wollen würde. Meine Themen-Priorität würde wie folgt aussehen:

  • Wunschgewicht erreichen
  • Umgang mit Stress
  • Ängste verlieren und Blockaden lösen (Nicht gehört zu werden)
  • Entspannt ins rauchfreie Leben
  • Burn Out
  • Ruhiger Schlaf

Daniel, mein Hypnosecoach, schreibt auf seiner Webseite „Stößt Du immer wieder auf dieselben inneren Blockaden, die Dich an einem erfüllten Leben hindern? Ich unterstütze Dich dabei, schädliche Verhaltensmuster zu ändern, emotionale Wunden zu heilen und stärkere Bindungen zu Deinen Mitmenschen zu entwickeln.“ Ein erfülltes Leben kann ich nur dann leben, wenn ich nicht mehr rauche. Dann erst kann ich genüsslich mit meinen Kindern kuscheln, mir bewusster Zeit für sie zu nehmen. Also stand für mich am Tag meines Termins fest: am 12.09. (Donnerstag) möchte ich in mein rauchfreies Leben starten.

Meine Rauchfrei-Hypnose

Ich entschied mich zur Praxis zu laufen, Handy eingepackt, Schlüssel und Portemonnaie in der Tasche verstaut, die letzten 4 Zigaretten und das Feuerzeug in die Jackentasche gesteckt. Auf dem Hinweg, es sind ca. 2,5km, habe ich alle übrigen Zigaretten aufgeraucht. Stolz, warf ich alles weg (die Verpackung und das Feuerzeug) und klingelte überpünktlich um 9.35 Uhr bereits in der Praxis. Statt bis zum Terminbeginn um 10.00 Uhr zu warten, begrüßte mich Daniel ganz lieb und zeigte mir das Behandlungszimmer.

Zunächst lernten wir uns etwas kennen, denn bis dato wusste er ja gar nicht, warum ich bei ihm war. Er hat schnell anhand meiner Gestik und Mimik erkannt, was ich für ein Typ bin, sodass ich gar nicht um den heißen Brei reden musste. Er wusste ja schließlich was ich wie denke und warum ich was mache. Ich weiß nicht, ob jede Behandlung gleich verläuft, aber ich berichte kurz mal von meiner.

Die genaue Behandlungszeit habe ich nicht mehr auf dem Schirm, ich schätze es bewegte sich in einem Zeitrahmen von 90-120 Minuten. Die Zeit auf dem wahnsinnig bequemen Sessem unterteilte sich in drei Phasen.

  1. Die Kennlernphase
  2. Das Hypnose-Coaching
  3. Die Hypnose

#1 Die Kennlernphase:

Zu viele Details möchte ich gar nicht nennen, vielmehr möchte ich die Fragestellungen auflisten, die Daniel und ich diskutierten und erläuterten. Seit wann rauche ich? Wie viele habe ich täglich geraucht? Gab es Situation in denen ich mehr oder mal weniger geraucht habe? Habe ich schon mal aufgehört? Wie fühle ich mich, wenn ich rauche? Gibt es Situation wo ich immer rauche? Die Gesprächsphase hat ca. 30 Minuten gedauert (schätze ich mal). Ich erklärte Alltags-Szenen, wir besprachen diese und Daniel schrieb sich Stichworte zu meinen „Ritualen“ auf. Um ein Beispiel zu nennen: Kaum ruft mein Chef mich morgens an, gehe ich auf die Terrasse und rauche eine. Er rauchte beim ersten Gespräch des Tages auch, weshalb sich das Raucheen irgendwie als Morgen-Ritual entwickelte. Jetzt haben wir in der zweiten Phase genau diese (und viele andere) Szene genauer vor Augen abgespielt, mit geschlossenen Augen.

#2 Das Hypnose-Coaching

Mein Morgen-Ritual mit meinem Chef: Daniel sagte ich solle doch bitte meine Arme entspannen, meine Füße auf dem Boden aufstellen und meine Augen schließen. „Stelle dir einen schönen Sonnenaufgang vor“, sagte er. Alles klar, das Bild hatte ich fest vor Augen, konnte es nach rechts und gedanklich nach links schieben und es auf Kommando sehen, wenn er es sagte. Mit geschlossenen Augen stellte ich mir die Situation mit meinem Chef also vor, in Farbe. Gedanklich griff ich zur Schachtel, öffnete die Terrassentür und dann sagte Daniel plötzlich laut „STOP!“. Ich sollte die Szene pausieren, gedanklich das Bild schwarz weiß einfärben und wegschieben. Der Sonnenaufgang sollte nun das vorherige ersetzen. Und tatsächlich ging das auch. Ich war so skeptisch. Ich wollte, dass es klappt, aber ich war mir unsicher, ob und wie das alles aufgrund von einigen Szenen-Wiederholungen funktionieren sollte. Wir stellten uns 5-10 Szenen vor und wiederholten dieses Prozedere pro Rauch-Ritual ebenfalls 5-8 Mal.

Das witzige war, dass Daniel immer wieder Fragen stellte, als ich die Augen wieder öffnen sollte. Wann mein Mann Geburtstag hatte, wollte er wissen. Er erklärte mir, dass er sehen wollte, ob ich mich in einer Trance befinde oder wieder „da“ bin.

#3 Die Hypnose

Ich kann gar nicht richtig erklären, wie diese Phase begann, ich weiß nur, dass dieser Sessel sogar eine fantastische Liegestellung hatte. Mega Teil! Daniel gab mir noch ein Kissen, ich lehnte mich bequem an und schloss meine Augen. Er zählte langsam von 5 runter. Er hat aber nicht geschnippst, mir nicht vorgeschrieben was ich machen soll, er hat nur ganz ruhig gesprochen. Was er genau gesagt hat, weiß ich gar nicht mehr. Ich schätze, dass diese dritte Phase ca. 25 Minuten gedauert hat, könnte aber auch länger gewesen sein. Ich finde meine fitbit Auswertung ja auch spannend in dem Zusammenhang. Ich muss nämlich für eine gewisse Zeit tatsächlich in einer tieferen Trance gewesen sein, denn ich habe einen kleinen Filmriss.

Meine fitbit Herzschlag-Auswertung vom 12.9.19

Abschließend wurde die Trance und die Hypnose durch das Hochzählen bis 5 wieder beendet und ich „kam zurück“. Ich war etwas müde, mir ging es aber gut. Ich konnte mir noch kein Bild machen, was passiert war und wie es mir nun ging.

09.10.19 – Ich bin seit 4 Wochen rauchfrei

Ich verabschiedete mich von Daniel, bedankte mich für das Gespräch, zog die Jacke an und ging raus. Ich habe auf dem kompletten Rückweg NICHT mal ansatzweise an Zigaretten gedacht. Ich habe den Weg mit schlichtem Nachdenken verbracht. Täglich stehe ich auf, täglich ist der Gedanke ans Rauchen verflogen. Ich bin nun Nichtraucher und tue mich damit nicht schwer. Keine negativen Stimmungsschwankungen, keine Entzugserscheinungen, nichts. Wie bei Anna und Elsa von Frozen. Es ist als hätte mir der Troll die Gedanken ans Rauchen genommen und durch etwas anderes schönes und vor allem gesundes ersetzt. Daniel ist also sinnbildlich übertragen mein Troll.

Ich kann dieses Erlebnis – rauchfrei durch Hypnose- nur jedem empfehlen, der es wirklich möchte und einfach zu schwach ist, es selbst zu schaffen, oder langfristig nicht aufhören kann. Es war für mich der Weg ins rauchfreie Leben und ich freue mich seit 28 Tagen über ca. 170€ mehr im Portmonee, über ca. 500 nicht gerauchte Zigaretten und über so viele körperliche Entwicklungen (gesünderes Hautbild, weniger Husten, bessere Durchblutung, keine Kurzatmigkeit mehr…).

Ich bin gedanklich nun frei und kann mich voll und ganz auf mein gesundes Leben konzentrieren! Sag mal, wäre Hypnose etwas für dich?